Was ist ein Employer of Record?
Ein Employer of Record ist der rechtliche Arbeitgeber einer Person in einem bestimmten Land: Er schließt den Arbeitsvertrag, führt die Gehaltsabrechnung durch, führt Steuern und Sozialabgaben ab und garantiert die Einhaltung des lokalen Arbeitsrechts. Das Auftraggeber-Unternehmen bleibt faktischer Arbeitgeber — es wählt die Person aus, legt das Gehalt fest, verteilt die Aufgaben und führt fachlich.
Das Modell existiert, weil eine Anstellung in einem Land normalerweise eine registrierte lokale Gesellschaft voraussetzt. Ein EOR macht diese Voraussetzung überflüssig: Er betreibt bereits Gesellschaften in vielen Ländern und „verleiht“ seinen Arbeitgeberstatus an Unternehmen, die im Zielmarkt keine haben.
So funktioniert das EOR-Modell
In der Praxis besteht ein EOR-Setup aus drei Parteien und zwei Verträgen: einem Dienstleistungsvertrag zwischen Ihrem Unternehmen und dem EOR sowie einem lokalen Arbeitsvertrag zwischen EOR und Mitarbeiter. Der typische Ablauf:
- Sie rekrutieren und wählen die Person aus — der EOR hat keinen Einfluss auf die Besetzung.
- Der EOR stellt einen rechtskonformen lokalen Arbeitsvertrag aus und meldet die Person bei den Behörden an.
- Monatlich rechnet der EOR Gehalt, Steuern und Sozialabgaben ab und stellt Ihnen die Gesamtkosten plus Servicegebühr in Rechnung (typischerweise einige hundert Euro pro Person und Monat oder ein Prozentsatz des Gehalts).
- Sie führen die Person im Alltag genauso wie eine Direktanstellung.
EOR vs. eigene Gesellschaft
Eine eigene Tochtergesellschaft bietet volle Kontrolle und bei größeren Teams niedrigere laufende Kosten — braucht aber Monate, lokale Geschäftsführer, Buchhaltung und Jahresabschlüsse, und ist teuer rückabzuwickeln, wenn der Markt nicht funktioniert. Der EOR dreht den Trade-off um: Anstellung in Tagen statt Monaten, ohne Setup- und Exit-Kosten, dafür mit einem Aufpreis pro Mitarbeiter.
Die übliche Faustregel: Für die ersten ein bis fünf Mitarbeitenden in einem neuen Markt — oder wenn Geschwindigkeit wichtiger ist als Kosten — gewinnt der EOR. Wächst das Länderteam darüber hinaus oder entsteht durch lokale Umsatztätigkeit ein Betriebsstätten-Risiko, ist die eigene Gesellschaft meist die bessere Struktur.
Warum EORs für die Europa-Expansion wichtig sind
Für Unternehmen, die in Europa expandieren, macht der EOR das Prinzip „erst die beste Person einstellen, dann die Struktur aufbauen“ überhaupt erst möglich. Die erste Besetzung im Markt — typischerweise ein Country Manager oder Sales Manager — kann innerhalb von Wochen verkaufen, während die Frage der Gesellschaft auf Basis echter Umsätze entschieden wird.
Wir sehen das ständig in unseren eigenen Mandaten: In einer Suche für einen Maschinenbau-Kunden haben wir einen Sales Manager für die Nordics platziert, der mangels schwedischer Gesellschaft über einen EOR angestellt wurde. In technischen Nischen wie dem Maschinen- und Anlagenbau ist „EOR zuerst, Gesellschaft später“ inzwischen der Standardweg in Märkte wie Spanien, Polen oder die Nordics.